VI. INSM-Ludwig-Erhard-Lecture: Presseresonanzen
Zum Auftritt von Professor Phelps
DIE WELT, 13. Oktober 2007
Was die internationale Wettbewerbsfähigkeit angeht, habe sich “vor allem Deutschland” stark verbessert. Das sagte Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelps in einem Interview mit der Tageszeitung DIE WELT. Das Gespräch fand statt aus Anlass des Deutschland-Besuchs von Professor Phelps zur VI. Ludwig-Erhard-Lecture der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in Berlin.
“Ich war überrascht, dass sich der wirtschaftliche Aufschwung hier erst seit kurzem bemerkbar macht. Damit hätte ich schon etwas früher gerechnet”, sagte der Professor, der an der New Yorker Columbia-University unterrichtet. Die Chancen, dass die Weltwirtschaft weiter wächst, hält Phelps für “nicht schlecht”. Vieles werde natürlich davon abhängen, “wie sich die Immobilienkrise in den USA weiterentwickeln” werde. Das, so Phelps, “ist ein großes Risiko, das ich mit Sorge verfolge”. Dennoch rechnet der Nobelpreisträger nicht damit, “dass die Wirtschaft in den USA einbricht”. Sie werde lediglich etwas langsamer wachsen. Das aber werde “die Weltkonjunktur nicht stark bremsen”.
Phelps´ Empfehlung für Deutschland: Der Finanzsektor hierzulande müsse “sich besser aufstellen”: “In Deutschland bekommen immer noch die Kunden am leichtesten einen Kredit, die der Bank schon seit Jahren bekannt sind. Junge Leute, die mit einer Geschäftsidee kommen, haben es dagegen unverhältnismäßig schwerer, das notwendige Geld für die Umsetzung zu bekommen.”
„Manager sollen für Müntefering kämpfen.“ Unter diesem Titel berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Wochenende über einen Brief von BDI-Präsident Jürgen Thumann an mehrere tausend Unternehmer und Manager. Diese sollen nach Thumanns Überzeugung bei den Abgeordneten in ihren Wahlkreisen für den Erhalt der Agenda 2010 kämpfen. „Nötig ist eine offene Debatte, um die populistische Rücknahme von Reformen zu verhindern“, heißt es laut FAZ in dem Schreiben. Der FAZ-Artikel erwähnt auch den Berliner Auftritt von Professor Edmund S. Phelps auf Einladung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM): „Auch der Nobelpreisträger … sprach sich gegen die Rücknahme der Arbeitsmarktreformen aus. Insbesondere das geplante längere Arbeitslosengeld wäree in Fehler, warnte der Wirtschaftsprofessor in seiner Ludwig-Erhard-Lecture …“
In einem der Süddeutschen Zeitung hat sich Wirtschafts-Nobelpreisträger Professor Edmund Phelps unter anderem zu Fragen der Globalisierung geäußert. Phelps war nach Deutschland gekommen, um in Berlin als Hauptredner die VI-Ludwig-Erhard-Lecture der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zu bestreiten.
Zur Frage der Süddeutschen Zeitung, ob Arbeitnehmer Gewinner oder Verlierer der Globalisierung seien, erklärte Phelps: “Es gibt sicher Verlierer, weil der Druck auf die Löhne gestiegen ist oder die Fertigung ins Ausland verlegt wurde. Es gibt aber auch Gewinner, etwa die, deren Arbeitsplätze wieder sicher sind, weil ihr Unternehmen neue Märkte in den aufstrebenden Schwellenländern erschlossen hat.”
Niedriglöhne will Phelps durch staatliche Kombilöhne aufstocken lassen. Wörtlich erklärte er: “Am erfolgversprechendsten sind meines Erachtens Kombilöhne, bei denen der Staat das Gehalt eines Niedrigverdieners von vielleicht fünf Euro pro Stunde auf neun oder zehn Euro aufstockt. Das schafft zusätzliche Arbeit und erhöht so irgendwann das generelle Lohnniveau, weil es für die Firmen schwerer wird, gute Leute zu finden.”
Erneut erteilte er Plänen, einen Mindestlohn in Deutschland zu etablieren, eine Absage. “Das wäre eindeutig ein Fehler. Für die Unternehmen stiegen die Kosten, es würde sich also nicht mehr lohnen, Geringqualifizierte einzustellen. Der Unterschied zwischen Kombi- und Mindestlöhnen ist: Kombilöhne schaffen Arbeitsplätze, Mindestlöhne vernichten sie.”
Zur Frage mach der Billiglohnkonkurrenz aus Fernost sagte er: “China beispielsweise wird in zehn oder fünfzehn Jahren kein Billiglohnland heutigen Musters mehr sein. Vielmehr werden die Löhne dort kräftig anziehen, was wiederum den Druck auf die Industrieländer mindern dürfte. Das Problem wird sich also mit wachsendem Wohlstand in den Schwellenländern von alleine lösen.”
Zur Frage, warum Europa nicht die hohen Wachstumsraten erreiche, die die Vereinigten Staaten in Boomphasen verzeichnen, erklärte der Nobelpreisträger: “Vielen Menschen in Europa fehlt der nötige Wettbewerbsgeist und der Wille zur Veränderung. Gegenwärtig wird die Situation allerdings auch durch eine Vielzahl von Unsicherheitsfaktoren belastet: die weitere Entwicklung in Iran etwa oder die Situation in Nahost.”
„Politiker bewegen immer die gleichen Hebel“ So überschrieb die Online-Ausgabe des Handelsblattes einen Artikel über Positionen des Wirtschaftsnobelpreisträgers Edmund Phelps. Der Professor von der New Yorker Columbia-Universität war am Freitag auf Einladung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) nach Berlin gekommen, um eine Ludwig-Erhard-Lecture zu halten.
Zur aktuellen Debatte um die längere Bezugsdauer von ALG I erklärte Phelps dem Handelsblatt-bericht zufolge: “Es sei “unglücklich, dass die Politik so viel Energie auf diese Frage verschwendet”. Dadurch bleibe keine Kraft für andere Reformen, die größere Wirkungen entfalten könnten. Phelps nannte als Beispiele den Finanzsektor, das Insolvenzrecht und vor allem die Arbeitnehmerrechte und beklagte: “Die Politiker bewegen aber leider immer die gleichen Hebel hin und her.”
Weiter heißt es in dem Handelsblatt-Bericht:
Phelps versuchte zu klären, ob auch 50 Jahre nachdem Erhard sein Buch “Wohlstand für alle” veröffentlicht hat, wirtschaftliche Dynamik und soziale Marktwirtschaft miteinander vereinbar seien.
“Grundsätzlich schließen sich Kapitalismus und ein Sozialsystem nicht aus”, sagte Phelps. Beim Kapitalismus handele sich ausschließlich um ein Wirtschaftsmodell, an das soziale Sicherungssysteme angeschlossen werden können.
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Es mangele in Deutschland an eigenen Innovationen, die den Kern einer erfolgreichen Wirtschaft bilden, sagte Phelps.
Verantwortlich für den geringeren Unternehmergeist seien kulturelle Unterschiede. Materielle Dinge würden weniger geschätzt und der Egalitarismus der Zwanziger Jahre wirke fort.
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“Die deutsche Exportstärke ist eigentlich ein Zeichen der Schwäche, denn es gibt anscheinend nicht genug inländische Investitionen”, sagte Phelps. Eine Mitschuld daran trage auch der Finanzsektor. Die Banken seien wahrscheinlich zu risikoscheu und würden vor allem den traditionellen Branchen Kredite geben. Das zeige sich auch daran, dass er von jungen deutschen Unternehmern höre, die über Risikokapital aus dem Silicon Valley jubeln. (…)
Professor Edmund Phelps, Columbia-Universität New York, erhielt im Jahr 2006 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften. Heute hielt er auf Einladung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) eine Ludwig Erhard Lecture in Berlin.
In einem Interview mit der BILD-Zeitung nahm der Wissenschaftler vorab Stellung zur aktuellen wirtschaftspolitischen Debatte in Deutschland. Nach Mindestlöhnen gefragt antwortete Phelps: “Ich war nie ein Freund gesetzlicher Mindestlöhne und rate dringend davon ab! Sie sorgen für das Gegenteil von dem, was sie erreichen sollen.” In diesem Zusammenhang warnte Phelps davor, dass Geringqualifizierte künftig keinen Job mehr finden. Damit, so der Nobelpreisträger, “ist niemandem geholfen”. Statt gesetzlicher Mindestlöhne machte sich Professor Phelps für Kombilöhne stark.
Zur von SPD-Chef Kurt Beck angestoßenen Debatte um Teilrücknahmen von Reformen der Agenda 2010 erklärte Phelps: “Ich bin überrascht, dass die Reformen beim Arbeitslosengeld zum Teil zurückgeschraubt werden sollen. Bitter nötig wären jetzt weitere Reformen, die die Schaffung von Arbeitsplätzen ankurbeln, und nicht solche, mit denen der Rückwärtsgang eingelegt und in die Gegenrichtung gefahren wird.”
Zur Frage, ob es in Deutschland je wieder Vollbeschäftigung geben werde, erklärte der Nobelpreisträger: “Ich kann mir ein Absinken der Arbeitslosenquote auf drei Prozent gut vorstellen.” Dafür brauche Deutschland aber eine Dynamik-orientierte Wirtschaftspolitik und einen “Innovations-Schub, der die Bürger begeistert”.
Lesen Sie hier die Rede von Professor Hans Tietmeyer bei der VI. Ludwig Erhard-Lecture mit dem Nobelpreisträger Professor Edmund Phelps.
