VI. INSM-Ludwig-Erhard-Lecture mit Professor Edmund Phelps am 12. Oktober 2007
Einführung durch Professor Hans Tietmeyer, Vorsitzender des Kuratoriums der INSM
Neben zahlreichen Lehr- und Forschungstätigkeiten u.a. an der Yale University, am Massachusetts Institute of Technology sowie an der Stanford University folgte schließlich 1971 die Berufung an die Columbia University in New York, an der Sie bis heute wirken.
Ihre Forschungen zur Arbeitsmarktpolitik sowie Ihre Positionen zur angebotsorientierten Anpassung der Zinssätze an die Konjunktur sind zu einem wesentlichen Bestandteil der heutigen Finanzpolitik geworden. Zudem leisteten Sie mit der Zusammenführung von mikro- und makroökonomischen Gesetzesmäßigkeiten in der Arbeitsmarktanalyse einen innovativen Beitrag zur Weiterentwicklung arbeitsmarktpolitischer Forschungsansätze. Bereits seit den sechziger Jahren haben Ihre Forschungsergebnisse und die von Ihnen entwickelten Modelle einen erheblichen Einfluss auf das Verständnis von Finanz-, Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Wir haben von Ihnen gelernt, wie wirtschaftspolitische Mittel nur langfristig und in einem Gesamtbild von wirtschaftlicher und fiskalischer Stabilität erfolgreich sind.
Der von Ihnen entwickelte Begriff der „ökonomischen Dynamik“ ist Sinnbild für das Zusammenspiel von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einer Volkswirtschaft und ihren kulturellen Faktoren. Die Analyse der ökonomischen Dynamik verdeutlicht, dass ein erfolgreiches Modell der sozialen Absicherung nicht eins zu eins auf ein anderes Land übertragen werden kann. Und so muss man die strukturellen Herausforderungen für das System der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland im Lichte der Gesamtleistung der Gesellschaft sehen. Hier war Deutschland lange Zeit gut aufgestellt. Die Soziale Marktwirtschaft Ludwig Erhards hat uns zu einem der wohlhabendsten Länder der Welt gemacht. Dennoch können wir aller Voraussicht nach nur mit einem starken Reformwillen das Erreichte erhalten.
Ihre wissenschaftliche Arbeit wurde im letzten Jahr mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet – eine lange erwartete Auszeichnung, die in Fachkreisen keine Überraschung war.
In diesem Jahr hat die Ludwig-Erhard-Lecture eine besondere Bedeutung. 2007 begehen wir das „inoffizielle“ Ludwig-Erhard-Jahr. Dazu gibt es gleich mehrere Anlässe: Vor 110 Jahren, am 2. Februar 1897 wurde Ludwig Erhard geboren, vor 30 Jahren, am 5. Mai 1977 ist er gestorben. Vor 60 Jahren prägte Alfred Müller-Armack den Begriff der “Sozialen Marktwirtschaft”, und vor 50 Jahren publizierte Erhard sein berühmtes Buch “Wohlstand für alle”. Erhard hat hier die Soziale Marktwirtschaft für Deutschland neu definiert. Und darauf nimmt die heutige Veranstaltung direkten Bezug. Wir widmen uns nun heute hier einer grundlegenden Fragestellung unserer Wirtschaftspolitik: Wie kann die Soziale Marktwirtschaft die Voraussetzungen für ökonomische Dynamik erfüllen?
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
„Eine freiheitliche Wirtschaftsordnung kann auf Dauer nur dann bestehen, wenn und solange auch im sozialen Leben der Nation ein Höchstmaß an Freiheit, an privater Initiative und Selbstvorsorge gewährleistet ist.“ Dieses Zitat von Ludwig Erhard müssen wir uns heute mehr denn je wieder ins Gedächtnis rufen. Wenn wir in diesen Tagen, passend zum Tag der Deutschen Einheit in der vergangenen Woche, erstmals 40 Millionen Erwerbstätige registrieren konnten, dann verdanken wir das nicht zuletzt den Reformen in Politik und Unternehmen.
Natürlich hängt die ökonomische Dynamik einer Volkswirtschaft wie Deutschland von einer Reihe unterschiedlicher Faktoren ab. Aber klar ist, dass auch die Politik in Bewegung bleiben muss. In der Globalisierung dürfen wir nicht lockerlassen. Gut bleibt nur, wer ständig besser wird.
Wie wir alle wissen, hat Deutschland in den letzten Jahren eine robuste wirtschaftliche Entwicklung hingelegt. So konnte das deutsche BIP allein im Jahr 2006 um 2,9 Prozent zum Vorjahr und im zweiten Quartal 2007 um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesteigert werden. Dies führte auch zu einer merklichen Entspannung auf dem Arbeitmarkt und neben der kontinuierlichen Senkung der Arbeitslosenzahlen eben gerade auch zu einer Ausweitung der Beschäftigungsverhältnisse. Wer das wieder zurückdrehen will, schafft erneut mehr Arbeitslosigkeit und nimmt den Menschen Teilhabe-Chancen. Denn darum geht es in der Sozialen Marktwirtschaft: allen eine Teilhabe am Wohlstand zu sichern.
Professor Phelps wird mit seiner Analyse dazu beitragen, die wichtigsten Felder zu identifizieren, in denen Deutschland seine Hausaufgaben machen muss.
Hat also Deutschland, hat die deutsche Politik die richtige Richtung eingeschlagen? Waren die Arbeitsmarktreformen ausreichend, und was wären die Konsequenzen für eine Rücknahme oder ein Aufweichen der vor über zwei Jahren eingeleiteten Reformmaßnahmen? Wie kann man eine Soziale Marktwirtschaft, wie wir sie in einer globalisierten Welt beibehalten wollen, mit den heutigen Anforderungen und nötigen Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Dynamik verbinden?
Auf diese Antworten werden Sie uns, sehr verehrter Herr Professor Phelps, sicherlich aufschlussreiche und erhellende Anmerkungen darlegen.
I am therefore very much looking forward to hearing Professor Phelps’ talk today! Professor Phelps, the floor is yours!

Und hier finden Sie ausgesuchte Presseresonanzen zur VI. Ludwig-Erhard-Lecture der INSM.
Hier geht es zur Rede von Professor Edmund Phelps bei der VI. Ludwig-Erhard-Lecture der INSM in Berlin .

