Karl Kardinal Lehmann
Über den Christen Hans Tietmeyer

Hans Tietmeyer ist der Kirche eng verbunden. Kardinal Lehmann über Tietmeyer, seine eng mit der katholischen Soziallehre verbundenen Überzeugungen und Werte sowie sein Engagement für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Ein Aufsatz aus dem Magazin EURO.

Von Karl Kardinal Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Die deutschen Bischöfe – und auch ich persönlich – danken Herrn Professor Hans Tietmeyer sehr herzlich für die fast 40-jährige Tätigkeit im Dienste der Wirtschafts- und Geldpolitik unseres Landes, nicht minder aber auch für die Art seinerkardinal_lehmann.jpg Amtsführung: die Unbeirrbarkeit und Unbestechlichkeit in seinem Urteil, die Gradlinigkeit des Vorgehens und die Unerschrockenheit im Auftreten. So hat er ganz wesentlich zur Stärkung der unabhängigen Stellung der Deutschen Bundesbank und der damit verbundenen Entscheidungen beigetragen. In diesem Sinne hat er auch größte Verdienste bei der Schaffung der Europäischen Währung (Euro) und der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.


Danken möchte ich besonders auch für die Bereitschaft, für uns als Kirche immer wieder beratend zur Seite zu stehen, angefangen von seinem über Jahrzehnte durchgehaltenen Engagement für das Cusanuswerk, der Bischöflichen Studienstiftung, bis zu manchen Gesprächen, die uns auch persönlich verbanden. Papst Johannes Paul II. hat Herrn Tietmeyer am 19. Januar 1994 aufgrund seiner vielfältigen Verdienste und seines geschätzten Rates zum Gründungsmitglied der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften berufen. So hat Hans Tietmeyer auch durch Vorträge bis in die letzte Zeit hinein seinen Sachverstand, sein Wissen und seine Art in diese und andere Beratungen eingebracht. Nachhaltiges Engagement. Wenn Hans Tietmeyer in diesen Tagen seinen 75. Geburtstag feiert, so kann ich nur wiederholen, was wir schon zu seiner Verabschiedung als Bundesbankpräsident und auch zu manchem Geburtstag der Vergangenheit gesagt und geschrieben haben. Es hat sich auf vielfältige Weise bestätigt und ist überaus fruchtbar geworden: Er hat sich in seinem Wirken, zunächst als Mitarbeiter des Bundesministeriums für Wirtschaft, dann als Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen und schließlich als Mitglied des Direktoriums und Präsident der Deutschen Bundesbank, große Verdienste bei der Ausgestaltung der Sozialen Marktwirtschaft erworben. Dabei hat er als national Verantwortlicher die Wirtschafts- und Finanzordnung auf europäischer Ebene entscheidend mitgeprägt und an dem guten Namen unseres Ordnungsmodells der Sozialen Marktwirtschaft im globalen Rahmen mitgewirkt. Er hat aber auch die Reformnotwendigkeit dieses Ordnungsmodells erkannt und sich – insbesondere in den vergangenen Jahren in der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft – nachhaltig engagiert, damit die Soziale Marktwirtschaft auch unter den gewandelten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts für alle von Nutzen sein kann. Sein gesamtes Wirken war geprägt von den Prinzipien der Katholischen Soziallehre, von Solidarität, Subsidiarität und Orientierung am Gemeinwohl.Prof. Hans Tietmeyer mit Ordensschwestern und -brüdern

Als Schüler von Alfred Müller-Armack, einem der großen Pioniere der Sozialen Marktwirtschaft, war er dafür geradezu prädestiniert.

Dienst an der Gesellschaft. Für diesen Dienst an der Gesellschaft möchte ich ihm auch heute noch – auch im Namen der Deutschen Bischofskonferenz, besonders aber persönlich – sehr herzlich danken und ihm für die kommenden Jahre in Gottes Segen Zuversicht aus der Kraft des Glaubens wünschen.

Herzlichen Glückwunsch und:

Ad multos annos!